Schneeglöckchen – tapfere Frühlingsboten und begehrte Sammelobjekte

Eines der schönsten Sinnbilder für den nahenden Frühling sind wohl in jedem Jahr die Schneeglöckchen. So gut wie nichts kann sie davon abhalten, zu den Ersten im neu beginnenden Blütenreigen zu gehören.

Haben sich diese grazilen und doch so widerstandsfähigen Pflanzen erst einmal im Garten etabliert, erfreuen sie den Betrachter Jahr für Jahr mit ihren zuverlässig erscheinenden Blüten.

Eine Blume, die jeder kennt

das schneeglöckchen

Ein Schneeglöckchen – Foto: © pitrs – Fotolia.com

Das Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) hat als Kulturpflanze in Mitteleuropa einen wohl unübertroffenen Bekanntheitsgrad erreicht. Selbst kleine Kinder erkennen schon das markante Gewächs und bringen es mit dem Frühlingsbeginn in Verbindung.

Verwilderte Kulturformen finden sich häufig in Parkanlagen oder auf alten Friedhöfen, wo sie – oft bereits ab Februar blühend – mit der Zeit große Bestände ausbilden können. Allerdings ist die meist von März bis April blühende Wildform weitaus seltener zu finden und bedarf des Schutzes: Pflücken und Ausgraben sind hier tabu.

Schneeglöckchen als Objekte der Sammelleidenschaft

Da es außer Galanthus nivalis noch einige andere Schneeglöckchen-Arten und zudem Hunderte von Kulturformen gibt, ist das Sammeln dieser zarten Frühblüher im Laufe der Zeit bei einigen Pflanzenkennern zu einem sehr beliebten Hobby geworden. Besonders die Engländer tun sich auf diesem Gebiet schon seit Langem hervor. Erstaunlich, wie unterschiedlich die Blüten sowohl in der Form als auch in der Musterung ausgestaltet sein können!

Die Fruchtknoten und Saftmale (Flecken auf den Blütenblättern, die Insekten als „Wegweiser“ zur Nahrungsquelle dienen) weisen neben der bekannten grau- oder blaugrünen Färbung bei einigen Sorten auch gelbliche Nuancen auf. Form und Größe der Laubblätter variieren ebenfalls deutlich.

So funktioniert die Ansiedlung im Garten

Der ursprüngliche Lebensraum des Kleinen Schneeglöckchens lässt sich ungefähr so beschreiben: Es liebt frische bis feuchte Böden, die außerdem locker und humusreich sind und siedelt sich gern in der Nähe laubabwerfender Gehölze an. Daraus lassen sich einige Schlüsse für die erfolgreiche Ansiedlung im Garten ziehen. Während der Blüte oder kurz danach können Schneeglöckchen am erfolgreichsten verpflanzt werden.

Aus diesem Grund finden Verkaufs-Veranstaltungen rund um die begehrten Sammelobjekte auch nicht im Herbst, sondern im Frühling statt, wenn die Pflanzen noch ihren Blütenschmuck zeigen. Sammler können außerdem so gleich vor Ort das Erscheinungsbild ihrer Favoriten beurteilen und kaufen nicht die berühmte „Katze im Sack“. Für Ameisen sind die nährstoffreichen Anhängsel der Samen interessant. Dadurch tragen die emsigen Tiere mit zur Weiterverbreitung bei. Übrigens sind Schneeglöckchen in allen Pflanzenteilen giftig.

Die Bedeutung im phänologischen Kalender

Da sich die Natur bekanntlich nach ihren eigenen Gesetzen und nicht unbedingt nach den Kalenderdaten der Menschen richtet, gibt es einen sogenannten phänologischen Kalender, der im Gartenbau und in der Landwirtschaft wichtige Anhaltspunkte für den optimalen Zeitpunkt bestimmter Tätigkeiten (z. B. Aussaat- oder Erntebeginn) liefert.

Auch das Schneeglöckchen spielt hier eine Rolle als Zeigerpflanze: Seine ersten Blüten kennzeichnen neben denen von Haselnuss, Schwarzerle und Salweide den Vorfrühling und damit den allmählichen Beginn der Feld- und Gartenarbeit.

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